Vom handgeknüpften Orientteppich zum Designerteppich

Die Geschichte der Teppiche von den Nomadenteppichen bis hin zum exklusiven und äußerst teuren Designerteppich ist lang und facettenreich. Wir geben einen kleinen Einblick in die Welt der Teppiche und erklären, wie die Teppichknüpfer zu Beginn des 13. Jahrhunderts von Handwerkern zu Künstlern wurden und wie heute der moderne Designerteppich die Welt erobert.

Geschichte des Orientteppichs

Teppich aus dem Pasyryktal

Der bisher älteste, erhaltene Teppich der Welt. Quelle: Wikimedia

Teppiche gibt es schon seit gut 2500 Jahren. Der älteste erhaltene Teppich stammt aus der Äußeren Mongolei und wurde in einem Grab von einem russischen Forscher entdeckt. Durch das südsibirische Eis wurde der bisher älteste Teppich der Welt über die Jahrhunderte in einem äußerst guten Zustand konserviert. Die Motive des Sensationsfundes bestehen aus feinen Darstellungen von Hirschen, Reitern und kreuzähnlichen Ornamenten (s. Bild links).

Zunächst waren Teppiche, ähnlich wie Fell, nur funktionale Einrichtungsgegenstände, die das Zelt oder Unterkunft gegen die Kälte des Bodens isolieren sollte. Weil er aber hauptsächlich in Zelten zum Einsatz kam, etablierte sich der Begriff „Nomadenteppich“ als Gesamtbezeichnung für Teppiche. Die Teppiche wurden aber auch als Matratze genutzt, als Ersatz für einen Tisch oder als Zeltbehang, um sich vor Wind und Kälte zu schützen.

Die hohe Kunst der Orientteppiche

Der Übergang zu den künstlerischen Orientteppichen gestaltete sich fließend: Der Teppich gewann auch eine immer größere ästhetische Bedeutung. Aus dem bloßen Einrichtungsgegenstand wurde ein Schmuckstück, mit dem man seinen Wohlstand zeigen konnte. Deshalb wandelte sich auch das Knüpfen von Teppichen immer mehr von einem Gebrauchshandwerk zu einem Kunsthandwerk, dem sich eine wachsende Anzahl von Teppichknüpfern verschrieb.

Im 16. Jahrhundert zierten Orientteppiche aus der Türkei die Häuser von reichen Händlern in Konstantinopel. Wir wissen noch heute, wie diese Schmuckstücke ausgesehen haben, da Maler wie Hans Holbein d.J. und Lorenzo Lotto in ihren Gemälden mitaufgenommen haben. Der erste Teppich kam aber bereits viel früher durch Alexander der Große nach Europa, der ihn 330 v. Christus aus seinen Eroberungsfeldzügen aus Asien mitbrachte.

Orientteppiche in Europa

Mit den Eroberungszügen der Mamelucken kam der Teppich schließlich auch zu Beginn des achten Jahrhunderts über Spanien ins Abendland. Da auch bei den West- und Mitteleuropäern Teppich nicht nur als Einrichtungsgegenstands, sondern auch als Schmuckstück beliebt war, entwickelten sich auch in Frankreich und England nach und nach kleine Teppich-Manufakturen, die allerdings nicht mit den Produkten der geschickten Knüpfer aus dem Orient mithalten konnten.

Bis in die heutige Zeit hinein hat sich der Teppich-Trend gehalten, obwohl der ursprüngliche Sinn des Teppichs mittlerweile von Vlieswolle und Bodenheizungen erfüllt wird. Daher wird gerade der Designerteppich heute als Schmuckstück ins Wohnzimmer gelegt, im Trend ist momentan der Retro-Look.

Wie entsteht der Designerteppich im Vintage-Look?

der designerteppich auch ein karierter teppich sein

Ein neu zusammengestellter Designerteppich (c) Karl-Heinz Liebisch / pixelio.de

Um einen echten Designerteppich zu erhalten, setzen sich die Hersteller heute nicht mehr an den Knüpfstuhl und knüpfen ihren eigenen Teppich, sondern kaufen alte Teppiche und Auktionen und Großmärkten und bereiten diese wieder auf – ähnlich wie es mit altem Goldschmuck geschieht. Dabei orientiert man sich grob an drei verschiedenen Arbeitsschritten:

  • Waschen: Ist der zukünftige Designerteppich gekauft, wird er zuerst einmal in einer speziellen Lauge gewaschen, was ihm den Vintage-Look verleiht, den man auch von Jeans kennt. So bekommt der Teppich an einigen Stellen Ausbleichungen, die ihn älter aussehen lassen, als er ist.
  • Ausbessern: Je nachdem, in welchem Zustand man den Teppich verkauft bekommt, sind einige Nachbesserungsarbeiten nötig – selbst bei einem Vintage Designerteppich. Immer beliebter wird auch der zusammengeflickte Designerteppich: So werden alte Teppiche nach dem Waschen in quadratische Teil zerschnitten und zu einem neuen Teppich zusammengenäht.
  • Verbessern: Der letzte Arbeitsschritt ist das refurbishen, sprich den Designerteppich noch einmal mit bestimmten Elementen aufzumöbeln. So werden nachträglich noch einmal neue Muster in den Teppich gestickt oder besondere Fransen an den Teppich angenäht.

Museen mit Orientteppich-Ausstellungen

Bei diesen Museen lohnt der Besuch, wenn man sich die Originale anschauen möchte:

  • Metropolitan-Museum (New York)
  • Viktoria and Albert Museum (London)
  • Museum für Kunsthandwerk (Wien)
  • Türk-ve-Islam Eserleri Müzesi (Istanbul)
  • Pergamonmuseum (Berlin)

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