Dschingis Khan – Eroberer der Welt

Dschinghis Khan hat im frühen 13. Jahrhundert ein gewaltiges Reich begründet, das im Osten an das Japanische Meer und im Westen bis zum Kaspischen Meer reichte. Er eroberte Peking und machte sich Herrn von ganz Zentralasien. Doch wer war er?

Mongolische Kultur

Dschinghis Khan stammte aus der Mongolei. Sein Land liegt zwischen Russland und China und ist viereinhalb mal so groß wie Deutschland, hat aber nur 3,18 Millionen Einwohner.

Obwohl man von „den“ Mongolen spricht, bedeutete der Name „Mongolen“ viele Gemeinschaften mit unterschiedlichen linguistischen und kulturellen Wurzeln. Erst als sich nach und nach Gruppen und Stämme zusammentaten, entstanden aus dieser „Mongghol“ die Mongolen.

Schon früh begannen Stämme der Mongolei chinesische Staaten anzugreifen, um Vorräte zu erbeuten. Als Antwort lies Kaiser Qin Shihuangdi den Bau der Chinesischen Mauer befehlen, die aber regelmäßig von den Angreifern überwunden wurde.

Mongolische Familienstruktur

Die Familien lebten zusammen in Yurten (ger), die nicht nur die Kernfamilie beschreibt, sondern alle Bewohner des Haushalts. Gemeinsam wurde das Vieh gehütet: Pferde, Kamele, Rinder, Schafe und Ziegen.

mongolische yurte sonnenuntergangAnders als im frühen Europa hatten Frauen in den mongolischen Stämmen einen hohen gesellschaftlichen Stand. Nach dem Tod eines Herrschers war es nicht unüblich, dass Frauen die Regentschaft fortführten und sogar Armeen in den Krieg führten. In polygamen Familien wurde die Hauptfrau zwar bevorzugt behandelt, die Kinder aller Frauen waren aber gleichermaßen erbberechtigt.

Frauen nehmen bis heute an den liebsten Sportarten der Mongolei teil, dem Bogenschießen und Pferderennen. Ringen hingegen ist den Männern vorbehalten, die in der Neuzeit große Erfolge in der japanischen Sumo-Liga erzielen.

Geburt von Dschingis Khan

Der große Dschingis Khan wurde um 1155 als Temüdschin (tatarisch: der Schmied) geboren. Sein Vater war der Klanchef der Borjihin (Wildenten-Leute) und ein erfolgreicher Anführer. Der kleine Temüdschin lernte früh das Reiten und den Umgang mit dem Bogen. Ohne diese Fähigkeiten konnte niemand in der Steppe überleben!

Zu seinen engsten Freunden gehörte sein Schwurbruder Dschamucha, der später noch eine wichtige Rolle in seinen Leben spielen sollte.

Jugend von Dschingis Khan

Mit nur neun Jahren verlor Temüdschin seinen Vater, der von Tataren heimtückisch vergiftet wurde. Da Temüdschin noch zu jung war, wurde er nicht als Nachfolger seines Vaters anerkannt. Die Sippe löste sich auf und er blieb mit seiner Mutter und seinen kleinen Geschwistern allein zurück. Ohne Schutz verlor die Familie ihr gesamtes Hab und Gut.

Aufstieg des Klans

Doch seine Familie überlebte und Temüdschin schaffte es, neue Weggefährten um sich zu versammeln. Er wurde unter seinen Freunden früh als Anführer anerkannt und sie waren ihm treu ergeben. Das Glück war vollends wieder auf seiner Seite, als er auf Börte traf und sie zur Frau nahm.

Durch geschickte Diplomatie und rücksichtslose Angriffe verhalf er seinem Borjhin-Klan zu Macht und Einfluss. Seinen treuen Freunden von früher gab er wichtige Schlüsselpositionen als Berater, Heerführer oder Beschützer. Innerhalb von 20 Jahren gelang es ihm so, alle mongolischen und türkischen Völker auf dem mongolischen Plateau untertan zu machen.

Sein schwerster Kampf

wilde kämpferische pferdeTemüdschins Schwurbruder Dschamucha betrachtete den Aufstieg des Jüngeren neidvoll und wandte sich schließlich von ihm ab. Er begann andere Kämpfer um sich zu sammeln und zog schließlich in einer offenen Schlacht 1197 gegen die Truppen Temüdschins.

Temüdschin verlor die Schlacht, konnte sich aber unverletzt zurückziehen. Nach dem Kampf folgten noch viele kleinere und größere Schlachten zwischen den ehemaligen Freunden, bis die Auseinandersetzung schließlich sein grausames Ende fand.

In der letzten Schlacht 1203 wurde Dschamucha festgenommen. Temüdschin bot seinen Schwurbruder erneut an, an seiner Seite zu kämpfen, doch Dschamucha lehnte ab. Er forderte einen ehrenvollen Tod ein und so wurde ihm schließlich das Rückgrat gebrochen.

Ernennung zum Dschingis Khan

Nach dem grausamen und schmerzlichen Verlust seines Schwurbruders wurde Temüdschin 1206 zum „Dschingis Khan“ ernannt, dem Großkhan aller Mongolen.

Um das neue Reich zu stabilisieren, etablierte Dschingis Khan zunächst ein mongolisches Grundgesetz (Jassa). Er schaffte damit eine Grundlage für ein geordnetes Staatswesen und entzog anderen Stammesfürsten ihre Legitimation.

Danach begann er seine Kriegertruppen zu reformieren. Seine wichtigsten militärischen Einheiten wurden fortan von seinen Verbündeten und treuen Gefährten kommandiert. Er entkoppelte das Militär von den Abstimmungslinien der Klane und schaffte so eine flexiblere Sozialstruktur. Er untergrub die Autorität des Stammesadels und führte Disziplin und Gefolgschaft ein.

Befehle wurden schneller und direkter übermittelt, sodass das neue mongolische Militär schnell, flexibel und übermächtig wurde.

Eroberung Chinas und der Rest der Welt

Mit den neuen Truppen zog Dschingis Khan los und unterwarf zusammen mit seinen Söhnen ganz Zentralasien. 1211 rückt er auch gegen Nordchina vor, um die Stadt 1215 schließlich zu plündern. 1218 fiel Beijing in die Hände der Mongolen.

karte mongolisches reich

Das gigantische mongolische Reich kurz vor dem Tod Dschingis Khans

Danach folgten muslimische Königreiche im heutigen Kasachstan, Usbekistan, Iran, Türkei und Afghanistan. Wo das mongolische Herr einfiel, da starben viele Menschen. Es wird geschätzt, dass etwa 30 % der Bevölkerung ums Leben kam.

Künstler, Verwalter und Architekten waren hoch geschätzte Gefangene, die dem mongolischen Reich dienen mussten. Andere unterwarfen sich freiwillig und schätzen die Religionsfreiheit des Großen Khans. Buddhismus, Hinduismus, Islam und Christentum existierten in mongolischen Gebieten friedlich nebeneinher.

Europäische Geschichtsschreiber beschrieben den gewaltigen Eroberungen Dschingis Khan teilweise sehr kritisch, wie Baron de Tott über Dschingis Khan: „ein Wahnsinniger, der Asien überrannte, um die Welt zu versklaven, die er zuvor verwüstet hatte“. Andere Quellen loben seine Kühnheit, Weisheit und Urteilskraft, trotz seiner grausamen und rücksichtslosen Handlungen.

Tod des Dschingis Khans

Schon vor seinem Tod war Dschingis Khan weitsichtig genug, sein Reich unter seiner Familie aufzuteilen. Vermutlich starb er 1227 an Verletzungen, die er bei einem Reitunfall davongetragen hat.

Sein Grab ist bis heute nicht bekannt, denn nach mongolischer Tradition wird der Ort der Grabstätte geheim gehalten. Tausend Reiter sollen mit ihren Hufen über seinen Bestattungsort geritten sein, um die Spuren zu verwischen. Die Geschichten besagen, dass die Reiter danach hingerichtet worden sein, damit sie das Geheimnis mit in ihr Grab nehmen.

Bei seinem Tod hatte das Reich eine Größe von 19 Millionen km² erreicht. Das gigantische Reich konnte nach dem Tod von Temüdschin aber nicht zusammengehalten werden und zerbrach.

 

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