Wissen ist Macht – Philosophie Francis Bacons

Nichts wissen macht nichts? Wer die Philosophie von Francis Bacon kennenlernen will, muss vor allem dessen Zeit verstehen. Eine Reise von der Epoche der Dunkelheit hin zum Licht der Erkenntnis erhellt die ursprüngliche Bedeutung von „Wissen ist Macht“ – die dabei halfen, eine neue Ära einzuleiten!

Wissen ist Macht – die neue Art zu Denken

Wer nichts weiß, geht in den Schacht. So lautet eine von vielen Verballhornungen des berühmten Zitates. Das Wahre daran ist: Ein Schacht liegt unter der Erde, dort herrscht also finstere Dunkelheit. Ebenso sah man zu Lebzeiten des englischen Philosophen Francis Bacon die Welt des Mittelalters. Der Wortschöpfer von „Wissen ist Macht“ wurde 1561 geboren.

Genau in diesem Jahrhundert entstand eine neue Denkrichtung, die sich vom vorangegangen Zeitalter distanzierte und die mittelalterliche Engstirnigkeit entschieden ablehnte. Es war die Epoche der Renaissance, des Humanismus und der Reformation.

Abkehr vom Mittelalter

wissenschaft im mittelalter

(c) Universitätsbibliothek Heidelberg
CC BY-SA 3.0 DE

Durch die mittelalterliche Übermacht der katholischen Kirche und damit verbundenem Schicksalsglauben waren die Errungenschaften der griechisch-römischen Blütezeit ab etwa dem 4. bis 6. Jahrhundert n. Chr. wie ausgelöscht. Den Denkern der Renaissance schienen alle wichtigen Ebenen menschlicher Kultur im sogenannten „dunklen Jahrhundert“ wie stehen geblieben: Technik, Sprache, Literatur und Kunst wie erlahmt unter der Furcht vor göttlicher Strafe. All das wollte der Geist der „neuen Zeit“ zurückholen, die Antike wiederbeleben oder gar überbieten.

Die aus Italien stammende und sich ab dem 14. Jh. in ganz Europa ausbreitende Strömung des Humanismus lieferte den intellektuellen Boden für die Wiedergeburt: Persönlichkeitsentfaltung des Menschen wurde ebenso hochgehalten wie der Glauben an dessen Fähigkeiten. Eine gängige Gleichung lautete: Individuelle Entfaltung ist gleich der Summe aus Wissen und Tugend. Nicht länger durch den Glauben gefesselt und niedergedrückt sollte der Mensch also leben.

Vielmehr kam es nun darauf an, durch Wissen Freiheit zu erlangen – bewusst glauben, statt in Ehrfurcht vor dem Jenseits abhängig zu bleiben. Dieses Wissen orientierte sich einerseits an den Vordenkern der Antike. Zudem fand eine Hinwendung zur Natur und daraus entstehendem technischen Wissen statt.

Die große Erneuerung

Auch Francis Bacon strebte in seinen philosophischen Bemühungen eine solche „Instauratio magna“, die große Erneuerung an. Auf der eindeutigen Grundlage „unverfälschter Erfahrung“ sah er Denken und Wissenschaft neu erblühen. Diese Erfahrung bestand für Bacon in Beobachtung und Experiment, in denen er die einzig wirkliche Quelle des Wissens annahm. Dadurch löste der Philosoph, der auch Staatsmann war, die bis zum damaligen Zeitpunkt gültige Methode der Spekulation ab.

buchtitel instauratio magna

Titelblatt der Enzyklopädie Instauratio magna, London 1620

Damit wurde Francis Bacon zum Wegbereiter des englischen Empirismus und der Naturwissenschaften. Der Empirismus steht im Gegensatz zum Rationalismus: Beide Ismen stellen Denken über Spekulation, jedoch bezieht sich die „Ratio“ auf reines, ausschließliches Denken. Empiristen hingegen verstehen Wissen als wahre Erkenntnis, die auf Sinneserfahrung – mithilfe wissenschaftlicher Instrumente – beruht.

Bacon entwarf in seinem „Novum Organum Scientiarum“ ein Verfahren zur Induktion und stellte ein System möglicher Urteilstäuschungen auf: Trugbilder, sogenannte Idole. Schon mit dem Titel seiner Schrift grenzte der Engländer sich vom antiken Ursprung ab: Denn als bisheriges „Organ der Wissenschaften“ galt das „Organum“ von Aristoteles – einem der einflussreichsten griechischen Philosophen überhaupt.

Bacon sah in den logischen und wissenschaftstheoretischen Schriften des Hellenen folgenden Fehler: Er verließ sich allein auf die Kraft des Intellekts. Laut Francis Bacon soll sich wahre Philosophie jedoch des Intellekts bedienen, um Natur und Experimente in Erkenntnis umzuwandeln. Der Zweck einer solchen Naturerkenntnis sollte es sein, natürliche Gegebenheiten nutzbar zu machen. Nur so gelänge dem Menschen der Weg aus der Abhängigkeit von Naturgewalten hin zu deren Beherrschung.

Anders ausgedrückt: Menschlicher Verstand müsse sich der Natur unterwerfen, also deren Funktionsweise und Regeln anerkennen, um von diesem Wissen zu profitieren. Daraus könnte nach Ansicht Bacons eine vervollkommnete Kultur und bessere Gesellschaft entstehen.

Der Kern von „Wissen ist Macht“

Nach Bacon führt die genaue Untersuchung der Natur zu deren Interpretation. Diese Auslegung bringt den Verstand zu denselben Prinzipien, aus denen die Dinge bestehen – aber erst mit dieser Kenntnis sind sie veränderbar. Der Mensch kann nur die körperlichen Bedingungen verschieben, denn nur dazu hat er Zugang – nicht aber zu vermeintlichen Geistern oder Seelen des reinen Glaubens oder Denkens.

Dieses Erfahren als Voraussetzung und Anleitung zu aktivem Handeln, ist der Kern von Bacons „Wissen ist Macht“. Hier zeigt sich Francis Bacons doppelte Berufung als Philosoph und Politiker: Denn nicht einzig die Wissenschaft als technisches Mittel zum Fortschritt ist für ihn die Macht. Sondern – ganz im Sinne der humanistisch gebildeten Gesellschaft – dies Wissen wird auch zu politisch-wirtschaftlicher Macht.

Nicht umsonst besagt sein Zitat in vollem Umfang, dass Wissenschaft und menschliche Potenz insofern zusammenhingen, als Unkenntnis von Ursachen auch deren Wirkung zunichtemache. Für den modernen Menschen bestätigt sich noch immer: Wissen ist die Basis aktiven Handelns – sei es in Bezug auf Wirtschaft, die Gesellschaft oder das eigene Leben.

 

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