Walhall – der Himmel der Wikinger

wikinger zeichnung

Bevor das Christentum Einzug in den Norden Europas hielt, hatten die Wikinger eine einzigartige Glaubensvorstellung. Nach der nordischen Mythologie kamen die tapfersten Krieger des Landes nach ihrem Tod nach Walhall, dem Himmel der Wikinger. Neben dem Gottvater Odin, der seine Heerschar selbst auserwählte, gab es aber auch noch zahlreiche andere Wikinger Götter. Wer die TV Show „The Vikings“ verfolgt, kennt bereits viele.

Walhall – das Kriegerparadies

Bei Walhall, auch Walhalla genannt, handelt es sich um ein Reich gefallener Krieger, die zu Lebzeiten durch ihre kriegerischen und zugleich tapferen Handlungen besondere Leistungen hervorbrachten. Jeder Wikinger hatte zum Ziel, besonders ruhmreich, mit der Waffe in der Hand, zu sterben, um in der berühmten Halle in Walhall seine letzte Ruhestätte zu finden. Odin selbst wählte dafür die tapfersten Krieger aus, um sie in seiner Burg in Asgard zu belohnen und auf den letzten großen Kampf vorzubereiten.

Denn dieser Ort galt, laut dem germanischen Glauben, als Paradies für ruhmreiche Krieger. Aus diesem Grund wollten die Wikinger lieber ehrenhaft am Schlachtfeld sterben, als krank oder verletzt im eigenen Haus. Denn nur die kühnsten Kämpfer, die in der nordischen Mythologie auch Einherjer genannt wurden, hatten ein Anrecht darauf, ins himmlische Kriegerparadies einzuziehen.
Odin wollte sich mit der Kriegerschar für die letzte Schlacht Ragnarök wappnen, um im endzeitlichen Kampf gegen mächtige Riesen die besten Krieger an seiner Seite zu haben.

Der Übertritt ins Totenreich Walhall

Weg nach Walhall ©iStock/sb-borg

Weg nach Walhall ©iStock/sb-borg

Auch die Walküren spielten für die Wikinger eine wichtige Rolle. Denn starb ein Krieger im Kampf, schickte Odin die berüchtigten Jungfrauen des Schlachtfeldes aus, um den auserwählten Einherjer nach Walhall zu geleiten. Eine Walküre galt auch als finsterer Todesgeist, der viele Krieger in den Tod lockte. Dabei ritten sie über das Schlachtfeld und trieben ihr Unwesen. Ein Einherjer aber, der nach Walhall kam, wurde von den Söhnen Odins, Hermod oder Bragi, empfangen und direkt vor dem Hochsitz des großen Gottes geführt, der Thron Odins mit dem Namen Hlidskialf.

Die große Halle der toten Krieger befand sich nach dem Glauben der Wikinger in der Burg Gladsheim in Asgard, in dem der Gottvater Odin selbst residierte. In den Vorstellungen der Menschen war dieses Paradies für gefallene Krieger überaus prunkvoll. Es herrschte auch der Glaube, dass die Halle mit 500 Toren ausgestattet war, wobei jedes einzelne Tor so breit war, dass gleichzeitig 800 Krieger hindurch schreiten konnten. Die prunkvolle Halle diente außerdem als Schauplatz für abendliche exzessive Saufgelage und belustigende Kampfspiele. Wer einmal Walhall erreichte, konnte niemals mehr zurück. Nur der letzte, alles entscheidende Kampf Ragnarök und die genüsslichen Festivitäten und Schaukämpfe waren für die Einherjer von Bedeutung.

Wikinger Götter

Neben Odin, dem Gottvater, seiner Frau Frigg und seinen Söhnen Thor, Hermod und Bragi, glaubten die Wikinger aber noch an viele andere Götter, die in das jüngere Göttergeschlecht der Asen und dem älteren Göttergeschlecht der Wanen unterteilt wurde. Bei den Asen handelte es sich um besonders starke Wikinger Götter, wie beispielsweise Thor und Brage, die gemeinsam in der Götterburg Asgard lebten.

Die Wanen hingegen galten als die älteren und friedlichen Götter. Um die Mythologie der Wikinger besser verstehen zu können, ist auch Yggdrasil von Bedeutung. Bei Yddrasil handelt es sich um die Weltesche, ein Baum, der als Sinnbild des Kosmos verstanden werden kann.

Die starken Wikinger Götter, die Asen

Auch die Asen wohnten, laut germanischen Vorstellungen, in Asgard. Sie zeichneten sich vor allem durch ihre Geschicklichkeit im Kampf und durch ihre besonderen Kräfte aus. Auch als Herrscher machten sie ihrem Namen alle Ehre. Die Asen gehörten zu den sterblichen Göttern und hielten sich durch den Verzehr von Äpfeln, die sie von der Göttin für Unsterblichkeit erhielten, jung.

Zu den wichtigsten männlichen Asen gehört nicht nur der Gottvater Odin, sondern auch sein Sohn, der Donnergott Thor, der als der mächtigste Ase galt. Weitere wichtige Asen waren:

  • Loki, der listige Lügengott
  • Balder der Lichtgott
  • Heimdall, der Brückenwächter
  • Bragi, der Gott der Dicht- und Redekunst
  • Forseti, der Gott der Gerechtigkeit

Die Asinnen, weibliche Wikinger Götter

Neben den männlichen Gottheiten gab es auch weibliche Asen, die ebenfalls in Asgard beheimatet waren. Die wichtigste unter ihnen ist jedenfalls Frigg, die Gattin Odins, sowie die Unterweltsgöttin Hel. Des weiteren gehörten, neben vielen anderen weiblichen Gottheiten, folgende zu den Asinnen:

  • Sage, Göttin der Dichtkunst und der Weissagung
  • Eir, Göttin der Heilkunde
  • Snotra, Göttin der Klugheit
  • Var, die Göttin der Liebe und der Treue

Die Wanen, friedliebende Naturgeister der Wikinger

Auch die Wanen gehörten zu den Gottheiten der nordischen Mythologie, wobei ihr Wohnort nicht Asgard, sondern Wanaheim war. Bei diesen Naturgeistern handelte es sich größtenteils um Gottheiten, die für die Fruchtbarkeit, sowie für den Schutz und die Pflege von Herdfeuer und Feld zuständig waren. Bei den Wanen handelt es sich um das ältere Göttergeschlecht. Sie standen für Wohlstand und Erdverbundenheit. Zu den wichtigsten Wanen zählten:

  • Freyr, der Gott des Lichtes
  • Freyja, die Göttin der Schönheit und der Liebe
  • Kvasir, der Wissensgott
  • Gullveig, die Göttin des Goldes und der Zauberei
  • Nerthus, die Göttin für häuslichen Wohlstand
  • Njördr, der Gott des Windes und der Meere

Ragnarök, das Schicksal der Götter

Spricht man von den Wikinger Göttern, dann darf auch auf Ragnarök nicht vergessen werden. Denn laut der nordischen Mythologie existierte die Vorstellung, dass die Gottheiten nicht unfehlbar sind und dem Ende ihrer Existenz zusteuern. Wikinger Götter sind alle mit menschlichen Eigenschaften versehen und werden durch ihre Taten spätesten an Ragnarök gerichtet.
Denn bei Ragnarök handelt es sich um die Zerstörung der Welt und den Untergang aller Götter. Laut der Glaubensvorstellung der Wikinger bedeutet Ragnarök allerdings kein absolutes Daseinsende alles Lebens, sondern beinhaltet auch ein gereinigtes Wiederauferstehen aus dem Meer.

Die wichtigsten Quellen der Wikinger Forschung

©iStock/manforrilla

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Archäologen, Linguisten und Historiker greifen auf literarische Geschichtsschreiber und Dichter zurück, um die Glaubensvorstellungen von Wikingern in vorchristlicher Zeit zu verstehen.
Zum anderen konnten zahlreiche archäologische Funde über die Gebräuche und die Mythologie der Wikinger Aufschluss geben. So schrieb der dänische Geschichtsschreiber Saxo Grammaticus, der um 1140 unserer Zeit geboren wurde, überlieferte Glaubensvorstellungen über Odin und Walhalla nieder.

Auch das bekannte Helgilied, das in früheren Zeiten von musikalischen Poeten verbreitet wurde, gehört zu einer der Quellen über Odins Totenhimmel Walhall. Der Sage nach kehrte nur ein einziger Krieger aus Walhall in das Reich der Lebenden zurück. Zu Ehren des Kriegers Helgi Hundingsbani wurde ein Preislied gedichtet und überliefert, das den Werdegang des Helden von seiner Geburt bis zum Tode beschreibt.

Auch ein besonderer Ahnenkult konnte heute durch archäologische Funde festgestellt werden. So wurden Grabhügel, rituelle Bestattungsplätze der Nordländer, gefunden, die errichtet wurden, um den Toten kostbare Grabbeigaben mit auf ihren Weg nach Walhall zu geben. Im heutigen Norwegen wurden nicht selten ganze Wikingerschiffe in solchen Grabhügeln gefunden, was auf die Wichtigkeit der Ahnenverehrung schließen lässt.

Besonders nennenswert, als historische und archäologische Quelle, sind auch die Edda-Bilder aus der schwedischen Ostseeinsel Gotland. Dabei handelt es sich um reich bebilderte Gedenksteine, die aus der Zeit von 400 bis 1100 n. Chr. datiert wurden. Diese Denkmäler wurden zu Ehren der Toten errichtet und auf Grabfeldern und Wegen aufgestellt. Auf diesen mannshohen Steinplatten konnten zahlreiche eingemeißelte Figuren von Helden, Göttern und Jenseitsvorstellungen entdeckt werden. Die Edda-Steinplatten zählen heute sicherlich zu den wichtigsten Quellen für die Geschichtsforschung über die nordische Mythologie.

Linktipp: Wer sich intensiver mit Wikinger beschäftigen möchte, der sollte sich unbedingt den Blog „Welt der Wikinger“ von Dr. Reinhard Hennig anschauen!
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2 Kommentare

  • Super geschrieben der Artikel! Beinhaltet alles an breitem Wissen zu dem Thema Wikinger Götter, Walhall bzw. Ragnarök und läßt sich dennoch „kurz lesen“. Da ist so manches Buch „überflüssig“!

    • Hi Oliver,

      freut mich, dass wir Dir eine gute Übersicht zu dem Thema geben könnten. Bücher sind natürlich trotzdem toll 😉

      Viele Grüße
      Ines

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