Viktoria von England – Leben und Politik

königin viktoria

Nach ihr wurde das Viktorianische Zeitalter benannt und als Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland herrschte sie über ein Drittel der Weltbevölkerung: Alexandrina Viktoria, zunächst Prinzessin von Kent.

Unerwartete Thronfolgerin in turbulenten Zeiten

Das Leben von Königin Viktoria wurde ein beliebter Stoff für Bücher und Filme, was sicher nicht nur daran lag, dass sie eine Frau war, die eine für das 19.Jahrhundert ungewöhnliche Machtfülle besaß. Es beeindrucken auch das Selbstbewusstsein und das Durchsetzungsvermögen, das die damals 18-jährige Viktoria nach ihrer Thronbesteigung 1837 hatte und das sie bis zu ihrem Tod 1901 an der Spitze eines Weltreichs bestehen ließ.

Dabei hatte zunächst keiner damit gerechnet, dass Viktoria Königin würde, da sie bei ihrer Geburt an fünfter Stelle in der britischen Thronfolge stand. So trat sie recht unvorbereitet ein schweres Erbe an. Die Zeiten waren politisch turbulent und das öffentliche Ansehen der königlichen Familie auf dem Tiefpunkt.

Gute Berater als Hilfe für die junge Königin

Krönung von Königin Viktoria

Königin Viktoria bei der Krönung

Kurz bevor Viktoria am 28. Juni 1837 zur Königin von Großbritannien und Irland gekrönt wurde, war ihr Vorgänger und Onkel William IV. kinderlos verstorben. Als einziges Kind des Herzogs Eduard von Kent und der deutschen Prinzessin Marie Luise von Sachsen-Coburg-Gotha musste sie sich mit dem Regierungsstil und den begonnenen Reformen ihrer Vorgänger auseinandersetzen. Dazu zählte die Parlamentsreform von 1832, die das Wahlrecht ausgeweitet hatte.

Geschichte war Viktorias Lieblingsfach gewesen und nachdem sie 1829 ihren Platz in der Thronfolge erfahren hatte, ließ sie sich von ihrem Onkel Prinz Leopold, der ab 1830 belgischer König war, schriftlich beraten. Während ihre beiden Vorgänger wegen Prunksucht und exzentrischen Verhaltens beim Volk unbeliebt waren, setzte man große Hoffnungen auf Viktoria. Tatsächlich stieg bald der nationale Wohlstand, unter anderem durch Abschaffung der Zölle und dem seit 1853 vollumfänglichen Freihandel.

Königin Viktoria im Zentrum der Macht

Die zunehmende Demokratisierung des Landes zeigte sich unter anderem in der Anwesenheit von Mitgliedern des House of Commons an Viktorias Krönungszeremonie. Viktoria musste viel lernen, um nicht nur die Repräsentantin der Meinungen der englischen Minister zu sein. Bei ihrer Rolle als konstitutionelle Monarchin half ihr der 58-jährige Premierminister Lord Melbourne im ersten Regierungsjahr.

Er beriet sie in politischen und privaten Dingen, stärkte ihr Selbstvertrauen und legte somit den Grundstein für das spätere Aufblühen der britischen Wirtschaft und Industrie. Unter Viktorias Herrschaft wuchs auch die soziale Ungleichheit und das Empire strebte unverhohlen nach kolonialer Ausdehnung und der Öffnung der überseeischen Märkte für die heimische Industrie.

Einer dieser attraktiven, überseeischen Märkte war China, das England im Vorfeld des Opiumkrieges massiv unter Druck setzte. Die Spannungen führten schließlich zum Krieg, der 1842 unter förmlicher Billigung durch Königin Viktoria beigesetzt wurde. Allerdings nur, um in unvorteilhafte Verträge für China zu münden.

Königin Viktoria als „Großmutter Europas“

königin viktoria auf dem thron

Königin Viktoria beim 60. Kronjubiläum

Nachdem Viktoria anfangs oft sehr emotional handelte, erhoffte sich die britische Öffentlichkeit von einem Ehemann einen mäßigenden Einfluss auf sie. Und so heiratete sie am 10. Februar 1840 ihre große Liebe, den deutschen Prinzen Albert von Sachsen-Coburg-Gotha. Einen Deutschen ganz nah am Zentrum der Macht konnten zunächst nicht alle Briten tolerieren, doch mit der Zeit wurde Albert als solider Mitregent anerkannt. Schließlich kümmerte sich Albert um die Amtsgeschäfte während Viktoria in den ersten 18 Jahren ihrer Herrschaft neun Kinder zur Welt brachte.

Viktorias außenpolitischer Einfluss bestand vor allem in ihren verwandtschaftlichen Beziehungen zu allen wichtigen Herrschaftshäusern Europas und ihre 40 Enkel und 88 Urenkel betrachtete sie als Instrument der Friedenssicherung. Dies trug ihr zwar den Beinamen „Großmutter Europas“ zu, half aber nicht gegen den Ausbruch der Kriege von 1848-1851 und 1866. Innenpolitisch stand Viktoria für Kontinuität in Zeiten dauernden Wandels.

Das Volk trauert mit der „Kaiserin von Indien“

Während Viktoria mit dem Krim-Krieg, der Hungersnot in Irland und dem Revolutionsjahr 1848 umgehen konnte, stürzte sie der Tod ihres Gatten 1861 in eine Depression, deren Aura sich auf die britische Bevölkerung übertrug. An der seelischen Verfassung der Königin änderten auch die enge Beziehung zu dem schottischen Jagdgehilfen John Brown und die schmeichelhaften Gesten des Premierministers Disraeli wenig, der ihr unter anderem ab 1876 den Titel „Kaiserin von Indien“ verliehen hatte.

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