Die Geschichte von Ford – Tin Lizzy aus der Fertigungsstraße

Ford in Hamburg

Ford Motor Company Aktiengesellschaft, Ford Werke AG, Ford-Werke GmbH – die Geschichte der Tochtergesellschaft der US-amerikanischen Ford Motor Company in Deutschland ist lang und mitunter holprig. Beginnen tut die Erfolgsstory in der deutschen Automobilgeschichte 1925 mit dem Eintrag der Ford Motor Company Aktiengesellschaft in das Handelsregister von Berlin. Ab Januar 1925 wurden am Westhafen in Berlin-Moabit die legendären T-Modelle aus importierten US-amerikanischen Teilen montiert.

Mit dem T-Modell – „Tin Lizzy“ – war Henry Ford einige Jahre zuvor in den USA angetreten, um mit der Einführung des Montagebandes und der Fließbandproduktion die Automobilindustrie zu revolutionieren. Die Akkordfertigung des Automodells, das seit 1908 auf dem Markt war, machte es möglich, ein Automobil in 93 Minuten zu produzieren. In der Einzelfertigung hatte man dazu noch 12 Stunden benötigt. Die Produktionskosten bzw. die Anschaffungskosten für ein Automobil sanken mit der Massenproduktion auf ein Niveau, das es auch einfachen Arbeitern ermöglichte, ein Auto zu kaufen.

Fords Fertigungsrevolution generierte neue Absatzmärkte und einen Autoboom. Bereits 1927 waren 20 Millionen Fahrzeuge auf US-amerikanischen Straßen unterwegs. 1911 belief sich der Fahrzeugbestand noch auf 900.000 Stück. In Deutschland profitierte die Ford Motor Company Aktiengesellschaft von einem hohen Schutzzoll für den Import fertiger Autos und einem niedrigen Zolltarif für importiere Bausätze. In der Folge wurden 1926 in Berlin und ab 1932 in Köln –  nach der Verlegung des Unternehmenssitzes im Jahr 1930 – Ford-Modelle aus eingeführten Fertigteilen an Montagebändern zusammengesetzt.

Ford im Nationalsozialismus

Mit dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg beginnt für Ford in Deutschland eine wenig rühmliche Zeit. Ab 1939 produzierte Ford unter dem Namen Ford-Werke AG in Werken in Deutschland, in den Niederlanden und in Frankreich ausschließlich Fahrzeuge für die deutsche Wehrmacht. 1939 wurde Henry Ford, den Hitler glühend bewunderte, als erstem Amerikaner der höchste Orden des nationalsozialistischen Deutschland, „das „Großkreuz des Deutschen Adlerordens“, verliehen.

Henry Ford hatte sich als Herausgeber des „Dearborn Independent“ von 1919–1927 bereits als überzeugter Antisemit hervorgetan und 1920 eine Sammlung antijüdischer und antisemitischer Pamphlete veröffentlicht, die Hitler gelesen hat. Im gleichen Jahr finanzierte Henry Ford die Übersetzung der antijüdischen und antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion“ ins Amerikanische.

Im Zweiten Weltkrieg profitierte die Ford Motor Company auf beiden Seiten des Atlantiks. Als Tochtergesellschaft – formal in deutscher Hand –  gehörte Ford Deutschland zu den wichtigsten LKW-Lieferanten der deutschen Wehrmacht. Die Ford-Werke in Köln wurden ausdrücklich von den Bombardierungen durch alliierte Streitkräfte verschont. 1943 bestand die Belegschaft von Ford in Deutschland zur Hälfte aus Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen, vorwiegend Frauen. Ab August 1944 gab es im Konzentrationslager Buchenwald sogar ein eigenes Kommando Köln-Ford.

Nachkriegsjahre und Zukunftschancen

Nach 1945 konnte Ford Deutschland mit nicht wesentlich geänderten Personalien an die Erfolgsgeschichte unter dem Nationalsozialismus anknüpfen. Bereits 1958 erreichte Ford in Köln mit 128.000 Fahrzeugen erstmalig eine sechsstellige Produktionszahl. In den 1960er Jahren – zu diesem Zeitpunkt hatte Ford in Köln 10.000 Mitarbeiter – begann Ford wegen Arbeitskräftemangel Männer und Frauen in der Türkei als Gastarbeiter anzuwerben. 1972 beschäftige Ford bereits 54.300 Mitarbeiter und hatte einen Jahresumsatz von 5,8 Milliarden D-Mark.

Die heutige Ford-Werke Gmbh ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit Sitz in Köln und Werken in Belgien und in Spanien. In Europa gehört Ford zu den Top-Automarken. Allein im Oktober 2017 wurden 78.248 Autos der Marke in der EU neu zugelassen. Zum Vergleich: Nur VW und Renault können mit 129.190 und 88. 922 Fahrzeugen mehr Neuzulassungen als Ford im Oktober 2017 verzeichnen.

Auch in Deutschland erfreut sich Ford mit seinen Autos großer Beliebtheit. Viele Niederlassungen sind inhabergeführte Familienbetriebe, die auf eine lange Tradition zurückblicken können. Wenn Sie einen Ford in Hamburg suchen, sind Sie zum Beispiel bei Storck & Söhne gut aufgehoben. Der Ford Händler betreibt die Niederlassung, die als Deutschlands freundlichstes Ford Autohaus ausgezeichnet wurde, mittlerweile in vierter Generation.

Während der Elan bei der Aufarbeitung der dunkleren Seiten der Firmengeschichte etwas dünn ausfällt, ist der Autokonzern für die Zukunft gut aufgestellt. So kündigte Ford diesen Herbst gemeinsam mit General Motors eine Elektromobilitäts-Offensive an. In den nächsten Jahren will Ford verstärkt in die Entwicklung von E-Modellen investieren. Der Ford Focus Electric, der nicht in gewünschtem Maße überzeugen konnte, ist dann vermutlich Geschichte.