Hexen im Mittelalter

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Bei Nennung des Wortes „Hexe“ drängen sich unwillkürliche Assoziationen auf. Während die einen an zwar weise, aber auch furchteinflößende Frauen aus Märchen und Sagen denken, haben andere Bilder von unmenschlichen Folterungen und brennenden Scheiterhaufen vor Augen. Die meisten Personen verorten diese Stereotypen im „finsteren Mittelalter“.

Doch der Höhepunkt solcherart gestalteter Hexenprozesse, in deren Folge tausende Menschen verbrannt wurden, datiert aus der Zeit zwischen 1560 und 1660 – einer Epoche, die Geschichtswissenschaftler der so genannten Neuzeit zurechnen. Im eigentlichen Mittelalter vom fünften bis 15. Jahrhundert hatten Hexen einen vergleichsweise guten gesellschaftlichen Stand.

Der Begriff selbst basiert auf dem althochdeutschen Wort „hagazussa„, welches soviel wie „auf dem Zaun sitzen oder reiten“ bedeutet. Damit waren Personen gemeint, die sich auf der Grenzlinie zwischen allgemein gültiger sozialer Ordnung und einer geheimnisvollen Welt bewegten.

Entgegen später manifestierter Auffassungen handelte es sich dabei sowohl um Frauen als auch um Männer. Ihnen wurden Kenntnisse der Zauberei nachgesagt, mit der sie ihren Mitmenschen Schaden zufügen konnten.

Das Leben der Hexen

schwarze katze auf zaunpfahlDer Glaube an die Existenz solcher Grenzgängerinnen findet sich in allen Kulturen und Epochen – und weist weltweit eine verblüffende Ähnlichkeit auf: Gleichwohl die der Hexerei bezichtigten Personen lediglich das Wissen um die Wirkung von Heilkräutern und Drogen besaßen, wurden ihnen verschiedene magische Fähigkeiten angedichtet.

So sollten sie in der Lage sein, das Wetter zu beeinflussen, Krankheiten heraufzubeschwören oder den Tod von Kindern herbeizuführen. Damit hatten Hexen alles zu verantworten, was sich einer rationalen Erklärung entzog. Besonders in Zeiten ökologischer, wirtschaftlicher oder politischer Krisen waren sie ideale Sündenböcke.

Ihr oftmals abgeschiedenes Leben beflügelte die Phantasie der Mitmenschen zusätzlich. Sie schrieben Hexen all jene Eigenschaften zu, die ihnen selbst fehlten oder durch gesellschaftliche Gegebenheiten verwehrt waren.

Dazu gehörten neben dem Vermögen zu fliegen, Herrscher ihrer Macht zu berauben oder die Sprache der Tiere zu verstehen stets auch ein freies und ungezügeltes Sexualleben sowie die Teilnahme an regelmäßig stattfindenden Hexenzirkeln.

Eine Anhäufung von Vorstellungen, die zwangsläufig als Bedrohung erscheinen musste, da sie den vorgeschriebenen Glaubensregeln widersprach.

Beginn der Hexenverfolgung

Unter Berufung auf das römische Recht entwickelten Theologen eine Dogmatik, die Magie als Teufelswerk verdammte und als Häresie bezeichnete. Damit vereinten sich der Volksglaube und die Ängste der Kirche zu einem gemeinsamen Feindbild, in dessen Folge es um Paris und Freising zu ersten gezielten Hexentötungen kam.

kirche in der ukraineDeren regionale und zeitliche Unterschiede aber ließen keine allgemeine Hetzjagd oder zentrale Steuerung erkennen. Ganz im Gegenteil: Noch im Jahr 1080 ermahnte Papst Gregor VII. den amtierenden Dänenkönig wegen seiner groß angelegten Hexenverfolgung.

Zum flächendeckenden Phänomen wurde der Hexenwahn erst ab dem 13. Jahrhundert. Sein Entstehen bzw. Wiederaufleben fiel mit erneuten Religionskriegen, wirtschaftlichen Schwierigkeiten und politischer Instabilität zusammen.

Die daraus resultierenden Spannungen entluden sich in Exzessen gegen jene, die schon immer verdächtig schienen: Zum einen gegen Christen, die sich in Laienbewegungen zusammenfanden; zum anderen gegen die Personen, welche schon früher als „Hexen“ im Sinne von Grenzgängern aufgefallen waren.

Die eigens zum Zwecke diesbezüglicher Verfolgungen gegründete Inquisition führte einen fanatischen Kampf; konzentrierte sich jedoch vornehmlich darauf, Glaubensabtrünnige in den Schoß der Kirche zurückzuführen. Eine explizite Hexenverfolgung oder -vernichtung lehnte sie ausdrücklich ab.

Auch die als „typisch“ geltenden Folterungen waren kein Werk der Inquisition, sondern Ergebnis eines weitere 200 Jahre andauernden Prozesses. In dieser Zeit blieben gezielte Hexentötungen noch immer Ausnahmen.

Die große Hexenjagd

Die nachweislich erste Verurteilung und Verbrennung einer konkret als „Hexe“ bezeichneten Person erfolgte im französischen Toulouse. Sie datiert aus dem Jahr 1275.

Jeanne d’Arc bei ihrer Befragung durch den Kardinal von WinchesterMehr als das Betreiben der Kirche prägte der Aberglaube das geistige Klima. Schon kleinste Abweichungen von allgemein gültigen Regeln schürten Ängste, die zu Ausgrenzung und Stigmatisierung führten.

So gerieten erfahrene Naturkundlerinnen – trotz Inanspruchnahme ihres Wissens – wiederholt in den Ruf, Kontakt zum Teufel zu unterhalten, regelmäßig den Hexentanzplatz zu besuchen und dort berauschende oder giftige Kräuter zu sammeln.

Diese Auffassung entlud sich 1430 in den Savoyen und in der Dauphine, wo es erstmals während des Mittelalters zur flächendeckenden Jagd auf Hexen kam.

Ein einheitlicher „Umgang“ mit den dabei gefassten Personen fehlte allerdings noch, so dass in verschiedenen Gegenden unterschiedlich verfahren und geurteilt wurde.

Den wohl bekanntesten Prozess dieser Zeit durchlebte Johanna Tarc. Doch obwohl der später als Jeanne d’Arc berühmt gewordenen „Jungfrau von Orléans“ Feenzauber, Dämonen-Anbetung und Hexenkräuter-Gebrauch vorgeworfen wurden, starb sie nicht als Hexe, sondern als Ketzerin.

Der Hexenhammer

Erst das Erscheinen des „Malleus maleficarum“ läutete den heute bekannten Umgang mit betroffenen Personen ein. Die 1486 von Heinrich Kramer veröffentlichte Hetzschrift schilderte auf genaueste Weise, woran Hexen zu erkennen sind, durch welche Fähigkeiten sie sich auszeichnen und wie mit ihnen zu verfahren ist.

In der Absicht, die bis dahin noch immer geächtete Hexenverfolgung zu legalisieren, stellte der Autor seinem Werk die päpstliche Bulle „Summis desiderantes affectibus“ voran und interpretierte die christliche Lehre auf seine Weise. So ist in dem als „Hexenhammer“ verbreiteten Buch nachzulesen, dass die von Natur aus schwächeren Frauen besonders anfällig für Teufelszauber sind und daher einer verschärften Verfolgung bedürfen. Desweiteren stellte Kramer heraus, dass jeder, der nicht an die Existenz von Hexen glaube, zwangsläufig Häretiker ist.

Von diesen und anderen Behauptungen distanzierten sich sowohl weltliche als auch kirchliche Gerichte. Im Aberglaube und der Gottesfürchtigkeit des Volkes aber fiel es auf fruchtbaren Boden: Rund 80% aller Opfer der Hexenprozesse in den darauffolgenden Jahrhunderten waren weiblich.

Mehr als die Hälfte davon wurde im römisch-deutschen Reich hingerichtet. Weitere geografische Schwerpunkte waren die Schweiz und Frankreich. Auf spanischem Terrain kam es trotz – oder wegen – der dort stark vertretenden Inquisition zu vergleichsweise wenigen Todesfällen.

Im übrigen Europa konzentrierte sich die Hexenverfolgung auf das heutige Schottland und Polen. Den Höhepunkt bildeten die Vorfälle in protestantisch geprägten Gegenden. Von diesen erlangte der Prozess gegen die überwiegend minderjährigen Hexen von Salem traurige Berühmtheit.

 

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