Hamburgs Entwicklung zum Welthafen und zur Handelsstadt

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Das Tor zur Welt: Mehr als 20.000 Schiffe laufen pro Jahr den Hamburger Hafen an, der mehr als 160.000 Arbeitsplätze bereithält und auch die Logistikbranche sowie internationale Speditionen in der Region prosperieren lässt. Was viele nicht wissen: Ursprünglich befand sich der Hafen gar nicht an der Elbe.

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Containerschiffe im Hamburger Hafen
© istockphoto.com/delectus

Elbe, Landungsbrücken und die Terminals bei Altona: Dieses Bild hat man heute vor Augen, wenn man an den Hamburger Hafen denkt. Seine Geschichte beginnt im 9. Jahrhundert jedoch ganz anders. Die Alster ist noch nicht zum heutigen See in der City aufgestaut, die Elbe folgt ihrem naturgegebenen Lauf und die Millionenstadt Hamburg heißt zu dieser Zeit Hammaburg und ist nicht mehr als eine beschauliche Siedlung auf Höhe des heutigen Domplatzes. Dort lag auch der erste Hafen: ein etwa 120 Zentimeter langer Holzanleger an der Bille. Obwohl Hammaburg damals erst 200 Einwohner zählt, gilt es bereits als regionales Handelszentrum.

Wikinger verzögern den wirtschaftlichen Aufstieg

Immer wieder muss das idyllische Hammaburg Rückschläge verkraften. 845 fallen die Wikinger ein und setzen die Siedlung samt ihres Hafens in Schutt und Asche. Nach dem Überfall schließen sich die Hammaburger mit dem Erzbistum Bremen zusammen, um wieder auf die Beine zu kommen. Im Jahr 937 hat sich der Vorgänger der heutigen Weltstadt wieder erholt und erhält das Marktrecht, damals ein entscheidendes Privileg für die Wirtschaft einer Stadt. Bis Ende des 12. Jahrhunderts ist der Hafen wieder ein Stück weiter gewandert und befindet sich am heutigen Nikolaifleet, einem ursprünglichen Hauptmündungsarm der Alster.

Die offizielle Geburtsstunde des Hafens

Jedes Jahr am ersten Mai-Wochenende feiern die Hamburger den Hafengeburtstag. Zurückzuführen ist dieses Datum auf den 7. Mai 1189, als Kaiser Friedrich Barbarossa den Hamburgern mit Brief und Siegel die zollfreie Fahrt auf der Unterelbe bis zur Nordsee garantiert. Historiker haben mittlerweile herausgefunden, dass es sich bei dem Freibrief um eine Fälschung handelt, mit dem schlitzohrige Hamburger Kaufleute ihre damals stärksten Konkurrenten in Stade ausstechen wollten. Nichtsdestotrotz halten die Hamburger an diesem Datum fest, um das Bestehen ihres Hafens Jahr für Jahr mit Parden und einem großen Volksfest zu feiern.

Der Hansebund

Ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Hamburger Hafens ist das Jahr 1321, als Hamburg dem Städtebund der Hanse beitritt. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Kaufleuten, die sich mit vereinten Kräften im internationalen Handel behaupten wollen. In ihrer Blütezeit zählt die Hanse rund 200 Städte. Heute tragen lediglich 24 Städte das „Hanse“ als Namenszusatz, die bekanntesten davon sind Bremen, Lübeck, Rostock und Lüneburg. Der Hansebund ist maximal noch in kultureller und historischer Hinsicht von Bedeutung. Im 14. Jahrhundert dagegen legt er den Grundstein für Hamburgs Aufstieg zur internationalen Handelsstadt. Die einzige Hansestadt mit direktem Zugang zur Nordsee knüpft privilegierte Geschäftsbeziehungen mit Niederlassungen in London, Amsterdam und Skandinavien.

Aufbruch in die neue Welt

Als das verstärkt sich mit der Entdeckung Amerikas Mitte des 15. Jahrhunderts. Der Handel weitet sich aus und Hamburg beginnt so richtig zu florieren. Aber nicht nur Waren brechen von hier aus in die neue Welt auf. Immer mehr Menschen aus ganz Europa erhoffen sich in den Vereinigten Staaten ein besseres Leben. Und ihre Reise beginnt meist in Hamburg. Im heutigen Stadtteil Veddel lässt der Hamburger Reeder Albert Ballin (1857 – 1918) eine Art Siedlung für die Tausende von Auswanderern erbauen, die teilweise Monate lang auf Ihre Überfahrt warten. Diese ist heute noch im Museum Ballinstadt zu besichtigen.

Weichenstellung: Der Weg bleibt unversperrt

1862 fällt eine Entscheidung, die das Bild des Hamburger Hafens bis heute prägt: Hamburg bleibt ein offener Tidehafen und wird nicht zu einem Dockhafen umgebaut, wie es in London und vielen anderen bedeutenden Hafenstädten zu dieser Zeit verbreitet ist. Dort schützen Dämme und Schleusen das Hafenbecken vor Strömungen und Tideunterschieden. Die Hamburger verzichteten darauf zugunsten eines zügigeren Verkehrs und schnelleren Güterumschlags. Zudem ist Hamburg der einzige Hafen, in dem die Ladung direkt auf die Eisenbahn umgeladen werden kann. Damit beginnt auch der Aufstieg internationaler Speditionen in Hamburg und seinem Umkreis wie etwa der Spedition Kruse in Brunsbüttel an der Mündung zur Nordsee.

Speicherstadt und Landungsbrücken

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Die Speicherstadt ist heute UNESCO-Weltkulturerbe
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Das Herzstück des Hamburger Hafens befindet sich zu dieser Zeit am Sandtorkai in der Speicherstadt, dem größten auf Eichenpfählen gegründeten Lagerhauskomplex der Welt. Nirgendwo kann Stückgut so schnell entladen und verstaut werden wie hier. In den 1880er-Jahren mussten dafür die Wohnquartiere der Elbinseln Kehrwieder und Wandram weichen. Seit 1991 steht die Speicherstadt unter Denkmalschutz, seit 2015 ist sie Unesco-Weltkulturerbe. Gegen die Jahrhundertwende wandert der Hamburger Hafen in Richtung Westen. 1840 wird mit dem Bau der Landungsbrücken begonnen, die aber erst 1910 eingeweiht werden. 1913 überschreitet Hamburg mit seiner Einwohnerzahl die Millionengrenze und zählt zusammen mit London und New York zu den drei größten Hafenstädten der Welt.

Zweiter Weltkrieg, Wiederaufbau und das Zeitalter der Container

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Im Jahr 1910 werden die Landungsbrücken offiziell eingeweiht © istockphoto.com/Mapics

Die beiden Weltkriege werfen Hamburg in seiner internationalen Stellung als Handels- und Hafenstadt zurück. Nach den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg sind 80 Prozent der Hafenanlagen zerstört. Doch der Wiederaufbau kommt schnell voran und in den 50er-Jahren kommen die ersten Containerschiffe auf. Für die Stadt bedeutet dies: tiefere Hafenbecken, größere Lagerflächen und der Hafen verlagert sich immer weiter in Richtung Altona, wo die heutigen Containerterminals stehen. Das Dorf Altenwerder wird vollständig geräumt und abgerissen. Heute steht nur noch der Kirchturm.

Blick in die Zukunft

Obwohl durch die Automatisierung im Bereich Containerschifffahrt viele Arbeitsplätze verloren gegangen sind, sind der Hamburger Hafen und viele Betriebe und internationale Speditionen in seinem Umfeld noch heute ein bedeutender Arbeitgeber und wichtigster Wirtschaftsfaktor. Da die Containerschiffe immer größer werden, befürchten Experten, dass das rund 100 Kilometer von der Nordsee entfernte Hamburg im weltweiten Rennen der bedeutendsten Hafenstädte bald nicht mehr mithalten kann.

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