Frauenwahlrecht in Deutschland – der geschichtliche Hintergrund

Weibliche Hand wirft Wahlzettel in Wahlurne

An den 12. November 1918 wird sich wohl kaum jemand so recht erinnern, aber man sollte diesen Tag in Ehren halten, denn er ebnete den Weg für die Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland: An diesem Tag wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht ausgerufen. Dass diese Gleichstellung de facto in 2017 keineswegs vollständig vollzogen ist, steht auf einem anderen Blatt. Doch wie kam es zum Frauenwahlrecht? Und warum musste es in Deutschland – und auch überall anders – so hart erstritten werden?

Männer hatten ihr Wahlrecht schon lange

Es ist ja nicht so, dass für Männer in Deutschland schon immer ein allgemeines und freies Wahlrecht galt – auch sie mussten lange darum kämpfen. In Preußen galt ab 1848 das Dreiklassenwahlrecht, das den Männern je nach Einkommen und dem damit verbundenen Steueraufkommen eine unterschiedliche Stimmenzahl einräumte. Erst 1867 führte der Norddeutsche Bund das allgemeine Wahlrecht für Männer ein, 1871 folgte das Deutsche Reich. Von den Frauen war damals allerdings noch keine Rede.

Herd oder Macht?

Die deutsche Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Hedwig Dohm war die erste Frau, die die völlige Gleichstellung der Frauen in den 1870er Jahren forderte, inklusive des Wahlrechts. Als erste Partei setzte sich die SPD 1891 für das Frauenwahlrecht ein.

Anderen gingen solch radikale Forderungen viel zu weit. Sie sahen die Frau „in ihrer natürlichen Bestimmung“ zu Hause am Herd und bei der Erziehung der Kinder. Der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der weiblichen Erwerbstätigkeit, Adolf Lette, ließ 1901 verlauten: „Was wir nicht wollen und niemals, auch nicht in noch so fernen Jahrhunderten, wünschen und bezwecken, ist die politische Emanzipation und Gleichberechtigung der Frauen.“ Sein Ziel bestand lediglich darin, Mädchen Zugang zu Bildung zu verschaffen. Gestaltung und Macht sollten weiterhin in männlicher Hand liegen.

Und Kaiser Wilhelm II, ohnehin ein Mann mit eher skurrilen Ansichten und Äußerungen, sagte im Hinblick auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft: „Die Hauptaufgabe der deutschen Frau liegt (…) nicht in dem Erreichen von vermeintlichen Rechten, in denen sie es den Männern gleichtun können, sondern in der stillen Arbeit im Hause und in der Familie. Sie sollen die junge Generation erziehen, vor allen Dingen zum Gehorsam und zum Respekt vor dem Alter.“

Europäische Frauenbewegung

Anderswo brodelte es ebenso in der Frauenbewegung, insbesondere die englischen Suffragetten, die auch vor Gewalt nicht zurückschreckten, führten zur Stärkung der Bewegung. 1904 kam es schließlich zur Gründung des Weltbundes für Frauenstimmrecht und wenig später führten die ersten europäischen Länder das Frauenwahlrecht ein:

  • Finnland 1906
  • Norwegen 1913
  • Dänemark und Island 1915
  • Deutschland, Österreich, Polen und Russland 1918

Die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland

Mann und Frau an Wahlurnen

Frauenwahlrecht – heute eine Selbstverständlichkeit © istock/A-Digit

An besagtem 12. November 1918 war es in Deutschland soweit: „Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen“.

Bei der Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung am 19. Januar 1919 durften die Frauen erstmals aktiv und passiv wählen. Die Wahlbeteiligung bei den Frauen lag bei 82 Prozent. Gleich 37 Frauen zogen ins Parlament ein, was einer Quote von 9,6 Prozent entspricht. Das klingt erst einmal nicht weltbewegend, diese Quote wurde aber in den kommenden Jahrzehnten nie wieder erreicht: Erst 1983, als die Grünen erstmals in den Bundestag einzogen, wurden die 9,6 Prozent von 1919 mit dann 9,8 Prozent Frauenquote geknackt.

Die Sozialdemokratin Marie Juchacz war die erste weibliche Abgeordnete, die in der Weimarer Nationalversammlung ans Rednerpult trat. Sie eröffnete ihre Rede mit den Worten „Meine Damen und Herren“, was für Heiterkeit bei den männlichen Zuhörern sorgte, da es diese Worte im Parlament zuvor noch nicht gegeben hatte.

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